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Ausflug der TSV-Männergymnastik 2021

12. 10. 2021

 

Der diesjährige Ausflug der TSV-Männergymnastik führte uns nach Eisenach, wo wir im Gasthaus/Pension „ST. Peter“ vom 17. Bis 19. September Quartier bezogen. Da das Frühstück bereits Stunden zurück und eine Kanutour vor uns lag, kam der Imbiss aus belegten Brötchen und Kaffee gerade recht.


Nachdem uns der Verleiher  in die Strecke eingewiesen und für die Beobachtung des seltenen Eisvogels sensibilisiert hatte, ließen wir die Boote zu Wasser. Dank unserer routinierten Paddelschläge glitten die Kanus fast von selbst stromabwärts. Lediglich ein Boot hatte Probleme, da sich die mittlere Ruderbank infolge einer gebrochenen Halterung nach unten senkte und den auf ihr sitzenden Sportfreund in den „Maschinenraum“ beförderte, wie ein Kamerad scherzhaft bemerkte und damit nicht nur allgemeine Heiterkeit auslöste, sondern einmal mehr bewies, dass ein gutes Team selbst aus einem Missgeschick positive Energien zu generieren vermag. Als die Sonne durch die Wolken brach und malerische Felswände vorbeizogen, war aber alle Unbill vergessen und der Fluss zeigte sich von seiner schönsten Seite, woran auch die Abwesenheit des viel gerühmten Eisvogels nichts änderte. Ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir das Ziel und unseren Gasthof, wo wir den Tag in geselliger Runde ausklingen ließen.


Am Tag zwei unserer Tour standen mit dem Besuch der Wartburg und einer Wanderung durch die Drachenschlucht gleich zwei touristische Highlights auf dem Programm. Deshalb galt es, zügig aufzubrechen, um den Bus zur Wartburg am Bahnhofsvorplatz rechtzeitig zu erreichen. Wie wir an der Haltstelle feststellten, waren wir nicht nur rechtzeitig, sondern recht zeitig dort. Denn der laut Plan um 10:20 fahrende Bus war weder vorhanden noch wurde ein solcher erwartet. Der nächste Bus zur Wartburg fuhr um 10:50 und setzte uns unterhalb der Burg ab. Der Aufstieg zum Eingang erwies sich als anspruchsvoll und somit so recht nach unserem Geschmack, denn schließlich waren wir als Sportabteilung unterwegs. Ebenfalls ohne Probleme kompensierten wir die Abwesenheit des gebuchten Führers durch Installation des Audioguides auf unseren Smartphones.


Je nach Interesse konnte sich nun jeder über die Geschichte, die Architektur und wichtige Ereignisse der Wartburg und ihrer Räumlichkeiten informieren. Der Aufenthalt Luthers auf der Wartburg und seine dortige Übersetzung des Neuen Testaments  ins Deutsche sind recht bekannt. Weniger bekannt ist, dass sich dort die Deutschen Burschenschaften erstmals als einst progressive Vorkämpfer gegen die Fürstenherrschaft versammelten. Und noch viel früher trafen sich die bekanntesten Minnesänger, um dem Herrscher zu huldigen, was zum lebensgefährlichen Risiko werden konnte, wenn die Huldigung dem falschen Herrscher galt.  Zumindest diesbezüglich ist die Menschheit heute noch nicht viel weiter.


Nach der reichhaltigen geistigen Nahrung kam das gemeinsame Picknick gerade recht. Dieses nahmen wir gemäß Plan an der vorgegebenen Raststätte ein, die sich als Bank auf einem Parkplatz am Eingang der Drachenschlucht entpuppte. Eigentlich ein guter Ausgangspunkt für die Wanderung durch die Schlucht, hätte sich deren Topologie nicht ähnlich planlos verhalten wie die Abfahrtszeit des Busses am Morgen. Denn laut Plan sollte uns der Weg bergab durch die Drachenschlucht führen und mit einem Einkehrschwung in der „Hohen Sonne“ enden. Rätselhaft war nur, dass sich dann der Startpunkt, das Mariental, oben auf dem Berg befinden müsste und die „Hohe Sonne“ unten. In Science Fiction Filmen erklärt man derlei Ungereimtheiten gern durch eine Verwerfung im Raumzeit-Kontinuum. Sollte die Realität allerdings, was sehr wahrscheinlich war, nicht gestört sein, blieb als mögliche Erklärung nur ihre fehlerhafte Abbildung durch unsere Denkprozesse – eine für uns wenig schmeichelhafte, aber sich als wahr erweisende Variante. Denn letztlich begann die Wanderung durch die Drachenschlucht oben an der „Hohen Sonne“ und führte bergab ins Mariental, das sich endlich dort befand wo es hingehörte, nämlich unten. Einzig der Einkehrschwung musste nun unmittelbar nach dem Picknick am Anfang des Weges erfolgen. Aber das nahmen wir gern in Kauf, denn nicht auszudenken, wir müssten neben dem Klima auch noch das gestörte Raumzeit-Kontinuum retten.


Der Weg durch die Schlucht übertraf unsere Erwartungen. Er schlängelte sich durch moosbewachsene Feldwände und enge Spalten, folgte auf Gittern einem Bachlauf und führte uns durch eine märchenhafte Waldlandschaft, in der man sich die Behausungen  von Zwergen, Waldgeistern und Drachen lebhaft vorstellen konnte. Mehr oder weniger erschöpft kehrten wir in die Pension zu einer kurzen Verschnaufpause zurück, denn am Abend stand noch der Besuch des Gasthauses „Augustiner Bräu“ im Zentrum von Eisenach bevor.


Einige Sportfreunde wählten die Fahrt mit dem PkW, der Rest ging zu Fuß, geleitet von zwei Kameraden mit unterschiedlichen Navi-Apps. An einer Kreuzung trennte sich die Gruppe, da die Apps verschiedene Wege empfahlen. Keiner erwies sich im Nachhinein als der kürzeste, aber beide führten letztlich zum Ziel und gaben zudem Gelegenheit schon einige Sehenswürdigkeiten der Stadt zu streifen, die erst für die Stadtführung am Folgetag vorgesehen waren. Bier und Wein nebst deftigen Bayrisch-Thüringischen Gerichten schmeckten nach der Fülle an Eindrücken und Erlebnissen doppelt gut.


Anderentags nahmen wir ein reichliches Frühstück zu uns, verstauten das Gepäck und trafen uns in der architektonisch schönen und vor allem blitzsauberen Eingangshalle des Bahnhofs mit unserem Führer zur Stadtbesichtigung. Die Geschichte der Stadt wurde ebenso gewürdigt wie die bedeutenden Persönlichkeiten Luther, Bach und Goethe. Letzterem ist zu verdanken, dass die Stadtmauer von den Bürgern nicht gänzlich als Baumaterial benutzt wurde und wir das letzte erhaltene Stadttor noch bewundern durften. Von dort führte die Führung durch die Fußgängerzone mit  ihren restaurierten Häusern unterschiedlichster Architekturstile zum Markt mit der Georgenkirche, in der Johann Sebastian Bach getauft wurde.


Vor der Kirche ging gerade eine Veranstaltung des Johanniter-Ordens zu Ende, deren Mitglieder sich in schwarzen Umhängen mit weißem Johanniter-Kreuz kreisförmig auf dem Marktplatz aufgestellt hatten und diesem eine Aura längst vergangener Zeit verliehen. Einer Zeit, in der die Abtrittfrauen die Nasen hoch hielten, nicht aus Eitelkeit, sondern der frischen Luft wegen, und in der die Ludowinger von der Wartburg aus über ein Gebiet zwischen Meißen und Marburg herrschten. Ihr Wappentier, der Löwe,  findet sich noch heute in den Wappen von Hessen und Thüringen als Symbol  gemeinsamer Geschichte und Kultur, in einem Lebens- und Landschaftsraum wiedervereint durch das grüne Band der ehemaligen innerdeutschen Grenze, über das wir gegen Mittag wieder westwärts fuhren zum Restaurant  „Sonnenhof“ in Bosserode (Obersuhl). Dort beendeten wir unsere Tour mit dem traditionellen Abschlussessen, dessen Form als Buffet zunächst irritierte, dem aber zu guter Letzt von allen gern und reichlich zugesprochen wurde.


Und dann war auch dieser Ausflug der TSV-Männergymnastik schon fast wieder Erinnerung, doch eine gute und schöne, die uns in Gedanken und in dieser Geschichte bleibt.

 

Günther Meinhold

 

 

Die Boote sortieren sich zur Abfahrt Die Seeleute sind wieder an Land
Die Wartburg bei Eisenach Die Ausflügler auf der Wartburg
Drachenschlucht Drachenschlucht

 

 

Bild zur Meldung: Die angehenden Seeleute bereiten sich zur Kanutour vor